Grundlagen

Definition 1 Erlebnispädagogik

Die Erlebnispädagogik befasst sich mit Gruppen-Erfahrungen in der Natur um die Persönlichkeit und soziale Kompetenzen zu entwickeln.

Ursprünglich in der Reformpädagogik verwurzelt, gewinnt sie in jüngster Zeit wieder an Bedeutung, da Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenz, Wagnisbereitschaft und Persönlichkeit eine zunehmende Rolle in der Gesellschaft spielen.

Quelle: Wikipedia, 2014

Definition 2 Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik ist

eine „ [...] handlungsorientierte Methode, in der die Elemente Natur, Erlebnis und Gemeinschaft pädagogisch zielgerichtet miteinander verbunden werden.

[...] Sie trägt zur zwischenmenschlichen Begegnung und Beziehung bei, weil sie durch oft notwendige persönliche Nähe neue Sichtweisen der Fremd- und Selbstwahrnehmung eröffnet, weil bisher feste Einstellungen und Urteile ins Wanken

kommen können.“

Verschiedene Modelle der Erlebnispädagogik

The Mountains Speak for Themselves

Name aus den USA; fast ausschließlich in Form von Abenteuer-Unternehmungen in der Natur; Leitung nur für Logistik, Sicherheit, ggf. Krisen-/Konfliktmanagement; keine (geplante) Reflexion

Fokus ist das Erlebnis

Outward-Bound-Modell

immer in der gleichen Art durchgeführt, oft mit Follow-up; Aktionen ähnlich wie oben

ABER Fokus ist die Reflexion als strukturierte und geführte Diskussion

Metaphoric Modell

Persönliche Ziele werden im Voraus formuliert, an metaphorische Bilder gebunden (->Transfer); das Erlebnisangebot richtet sich danach

Fokus ist das „Vorher“ (Frontloading)

City Bound - EP in künstlichen Welten

Transferierung des erlebnispädagogischen Gedankens auf den Lebensraum Stadt

z.B. Kletter- und Abseilaktionen von/an Brücken und/oder Gebäuden, Sinnesparcours, Rollentausch, Perspektiven- wechsel, Survival in der Stadt; auch Grünflächennutzung

 

Die Angebote dieser Website beziehen sich vor allem auf die Modelle "The Mountains Speak for Themselves" und "City Bound".

Warum sind erlebnispädagogische Anlässe in der Schule sinnvoll?

Selbstkompetenz

Selbstkompetenzen beinhalten Fähigkeiten wie Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein. Selbstkompetenzen sind eine Voraussetzung oder dienen zumindest den Sozialkompetenzen.

Teamwork / Sozialkompetenz

Veränderungen in allen Lebensbereichen gehören zum Alltag. Zahlreiche Aufgaben, die über Jahrzente hinweg von Einzelpersonen ausgeübt worden wurden, sind heute nur noch im Team lösbar.

Ein menschlich gut harmonierendes Team kann praktisch alle fachlichen Herausforderungen allein oder mit fremder Hilfe lösen.

 

Erlebnispädagogische Anlässe fördern die oben beschriebenen Kompetenzen und sind so als Instrumente für die Erreichung der Lernziele aus den Lehrplänen zu sehen.

 

Didaktische Prinzipien

  • „Nicht reden, sondern handeln“
    • unmittelbare Erfahrungen, persönliches Erleben
  • „Mitgestaltung statt Konsum“
    • eigene Bedürfnisse erkennen, planen und umsetzen, Phantasie wird gefordert
  • anderes Leiter-Teilnehmer-Verhältnis
    • gemeinsames Erleben: Pädagoge als Gesamtheit „Mensch“
  • „Heraus aus der Betonwüste“
    • Natur als Medium für Erlebnisse, unbekannte Situationen

Didaktisches Modell: AERT

Anreiz

Aufgabe soll „Appetit machen“, baut Spannungsbogen auf

Erlebnis

als Kernelement

Reflexion

unumgängliches Element, findet immer irgendwie statt, soll das Erlebte (mit einer gewissen Distanz) verarbeiten helfen, schafft Nachhaltigkeit als

Transfer

Umsetzung des Erlebten ins „Alltagsleben“ (z.B. gesteigertes Selbstvertrauen)

Nachtrag zu Reflexion (nach new-institut, widerspiegelt unsere Meinung):

Sehr umstritten und viel diskutiert. Die eine Seite sagt, Reflexion ist der wichtigste Teil um eine Nachhaltigkeit (Transfer) zu schaffen, die andere Seite lehnt gesteuerte Reflexion komplett ab. Auch hier ist situatives Handeln gefragt: Nach einem spannenden Erlebnis will Mensch einfach irgendwann darüber reden, sich austauschen, von den eigenen Gefühlen berichten, allerdings nicht alle… Das Lagerfeuer oder gemütliche Zusammensein ist ein ideales, ungezwungenes Medium dazu. Eine „künstliche“ Reflexion im direkten Anschluss an ein Highlight, am besten mit Hunger und Durst und völlig aufgedrehten Menschen dürfte eher sinnlos sein. Wichtig ist, die Reflexion nicht um ihrer selbst willen aufzudrängen. Reflexion soll das Erlebte noch einmal mit einer gewissen Distanz „verdauen“ lassen, mit anderen Erfahrungen und Berichten abgleichen, Selbst- und Fremdwahrnehmung vergleichen und Gelegenheit geben, sich klar zu werden was man eigentlich gerade geleistet hat und auch wo die eigenen Grenzen waren und ob und wie diese Überwunden werden konnten. Reflexion kann in der Gruppe stattfinden, aber oft auch alleine und im eigenen Kopf. Viele Erlebnispädagogen halten die Reflexion für ein unumgängliches Element. Ich würde behaupten, die Reflexion findet so oder so statt, wenn das Erlebnis angemessen dosiert war. Im Kopf, im Zweiergespräch oder Tage später beim Bericht unter Freunden oder der Familie und beim Betrachten von Fotos.

Ablauf von erlebnispädagogischen Anlässen, wie sie auf dieser Website beschrieben sind

Wir gehen gemeinsam mit SchülerInnen in die Natur, um Herausforderungen zu meistern.

 

Das kann eine anstrengende Wanderung, kochen in Kleingruppen, bauen von Skulpturen oder Entfachen eines Feuers sein. Wir haben Beispiele beschrieben, welche wir im Entlebuch so durchgeführt haben.

 

Reflexion und vor allem Transfer in den Alltag steuern wir nicht direkt (siehe: The Mountains speak for themselves). Reflexion passiert meistens im Gespräch (zwischen LP und SCH und zwischen Sch-Sch), beim Betrachten der Fotos von Anlässen oder in einem Feedback, welches man anschliessend einholt. Zwischendurch arbeiten wir auch mit eher kurzen Reflexionsmethoden.

 

Der Transfer erfolgt nicht 1:1 - vielmehr wird der Zusammenhalt der Gruppe gestärkt, man ist stolz auf Geleistetes und als Lehrer kann man die Schüler einmal ausserhalb des Klassenzimmers erleben!

 


Literatur / Quellen